Vorbereitung von Hund und Führer für die Verbandsprüfungen
VJP, HZP, VGP und VPS
Diese Abhandlung wird für profesionelle Führer und Züchter nichts Neues mehr sein. Sie soll jedoch die grosse Zahl der Erstlingsführer und die noch nicht so „sattelfesten“ Jäger mit Hund ansprechen und ihnen eine Hilfestellung geben, um ihren vierläufigen Jagdgefährten nicht nur über die Fährnisse der Prüfung hinwegzubringen, sondern auch auf die Praxis vorzubereiten.
Ich gehe davon aus, dass der künftige Jagdbegleiter bereits als Welpe ins Haus oder Zwinger kam und demzufolge ein noch besonders prägefähiges Alter hatte oder noch hat. Da Grundlage jedes gemeinsamen Handelns der Gehorsam ist, soll und muss von Anfang an das Studium von Wesen und Anlagen , Einfühlungsvermögen, hundliches Denken und Konsequenz die Maxime bei jeder gemeinsamen Aktivität sein. Jeder Spaziergang mit dem Welpen oder Junghund sollte mit Lektionen verbunden werden, die den Gehorsam fördern und vertiefen. Das fangt an bei der Leinenführigkeit, dem Schmackhaftmachen des Herankommens auf Pfiff oder Ruf mit Sitz vor dem Anleinen, dem Ablegen mit Liegenbleiben nach Entfernung aus der Sicht des Hundes und sonstiger Kontaktpflege, die der Sozialisierung und der Stellung der Bezugsperson als Meuteführer förderlich sind. Es ist unter allen Umständen daraufhin zuarbeiten, dass unser Schüler bei seinen eigenen, ihm überlassenen freien Bewegungsaktivitäten kennen und unterscheiden gelernt hat, was von seinem Führer gewollt und geduldet wird und somit was er darf und nicht darf. Damit sind wir schon bei der Vorbereitung zur Verbandsjugendprüfung
Hierkommt es darauf an, dass sich der Hund zunächst bei der Vorstellung seines äusseren Erscheinungsbildes so verhält, dass die für die Zucht bedeutsamen Mängel erkennbar und feststellbar werden. Dabei ist die Gebißkontrolle vordergründig und bei unvorbereiteten Hunden mitunter eine Tortur. Dies lässt sich von Jugend an üben, indem mit leichtem Lefzendruck der Fang geöffnet wird um beim Welpen die Zahnentwicklung vom Milchgebiß bis zum Zahnwechsel verfolgen zu können. Hat er nun ein korrektes Scherengebiß mit 42 Zähnen oder entwickelt sich ein Zangengebiß bezw. Überbeißer oder Rückbeißer?
Bezüglich der jagdlich relevanten Anlagen werden eine raumgreifende Suche gefordert, wobei auch der Finderwille erkennbar werden soll. Häufiges Finden von Wild zeugt von einer guten Nase, deren endgültige Benotung jedoch zusätzlich von Faktoren abhängt, die sich im Laufe der Suche zeigen. Höchste Benotung wird ein Hund erhalten, der mehrfach nasenmässig wahrgenommenes Wild durch sauberes Vorstehen mit Nachziehen über eine relativ weite Entfernung anzeigt. Die vorgenannten Anlagen in dieser Form, sind in der Regel nur dann zu erreichen, wenn der Junghund über entsprechende Gehorsamslektionen lenkbar gemacht worden ist und so in der Hand des Führers bleibt. Durch feine Quersuche bei guter Windausnutzung und Unterstützung des Führers lässt sich ein Hund präsentieren, der erkennen lässt, dass er weiß worauf es ankommt. Deshalb sollte man schon rechtzeitig den in freier Suche wild Darauflos stürmenden so disziplinieren, dass er auf einen ihm immer wieder vermittelten Wendepfiff die Richtung ändert und dem Einwinken seines Führers folgend, die Suche in die Gegenrichtung einschlägt. Erstens ist dies erfolgversprechend und zweitens wird dadurch das Zusammenspiel zwischen Führer und Hund gefördert. Ich räume ein, dass der Komplex „angewölfte Führigkeit“ infolge der vorausgegangenen Gehorsamslektionen etwas überdeckt wird. Aber das nehme ich inkauf unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ein roher Hund innerhalb des ihm gewährten relativ kurzen Zeitraumes bei der Prüfung nicht immer die Beurteilung erfährt, die ihm eigentlich zustehen würde. Die Zeiten der Prüfungen in überall wildreichen Revieren sind vorbei. Es mag Ausnahmen geben. Für mich steht fest, dass mit einem feinnasigen und passionierten Hund, der in der Hand seines Führers ist, die mitunter wenigen Gelegenheiten eher erfolgreich ausgenützt werden können, als mit einem Rohling, der im Verlauf der Prüfung zum schwer zu beurteilenden Selbstläufer wird. Wenn es dann noch gelingt, den Hund am Hasen gehorsam zu machen und so die Spur gezielt und eigenständig gearbeitet werden kann, wird das Gesamtergebnis der Prüfung im vorderen Bereich zu finden sein. Allerdings gilt auch hier der Spruch „ohne Fleiß kein Preis “.
Um dem Lauftier Hund und dem Jagdhund im besonderen, neben der Abrichtung und Führung die artgerechte Haltung zu gewährleisten, sollte sich jeder vor der Anschaffung eines solchen mit der Frage befassen, kann ich das ohne in gewisse Konfliktsituationen zu geraten? Nicht jeder ist im Forstdienst mit den ihm gegebenen Möglichkeiten tätig, oder Revierinhaber, Jagdaufseher oder Erlaubnisscheininhaber. Ein Jagdhund kann nun einmal nicht nur in Hof, Garten oder einem sonstigen öffentlichen Raum abgeführt werden. Feld , Wald und Wasser sind schon notwendig, um die prüfungs- - und praxisbezogenen Übungseinheiten absolvieren zu können. Ich halte es im Zusammenhang mit meiner Abhandlung des gestellten Themas nicht nur für sinnvoll, sondern auch für angebracht, diese Anmerkung mit einzuflechten. Auch nehme ich mir heraus, zu der Persönlichkeitsstruktur eines guten Abrichters und Hundeführers etwas zu sagen. Selbstdisziplin, Beherrschung und Einfühlungsvermögen in das Mitgeschöpf Hund sind nämlich wesentliche Voraussetzungen um den Hund heranzubilden, den man sich als Jagdbegleiter vorstellt und wünscht.
Nun noch etwas zur Hasenspur.
Es gibt Hunde, die von der Anlage her einen ausgeprägten Spurwillen mitbringen. Es sind in der Regel Hunde, die auch einen ausgesprochenen Drang nach Vorn haben und somit einem wenig erfahrenen Führer schon einiges abverlangen. Letzterer hat es daher leichter, wenn er, meiner Anregung folgend, rechtzeitig mit den Gehorsamslektionen begonnen und seinen Hund bis zum Frühjahr, dem Zeitpunkt der ersten Anlageprüfung so in der Hand hat, dass Führigkeitsmängel nicht in Erscheinung treten. Mit leichtführigen Hunden hat man es etwas einfacher, da sie sich, nicht zuletzt auch wegen ihrer Führerbezogenheit , besser unterordnen. Dieser Kategorie gehören nach meiner Erfahrung ein grosser Prozentsatz von Hunden an, die gerade noch eine „gute“ Spur machen und nur ausnahmsweise unter günstigen Bedingungen, wie Bodenfeuchte, entsprechende Vegetation und passender Verlauf der Hasenspur noch im „sehr gut“ rangieren. Hier rate ich dazu, nur übersichtliche Spuren zunächst an der langen Leine zu arbeiten und dabei die Möglichkeit auszunutzen, den Hund beim Nachlassen des Spureifers durch Lob und Aufmunterung zur Weiterarbeit zu animieren. Sollte es dabei gelingen an den sich drückenden Hasen zu kommen und die so erfolgreiche Spur mit einer Hetze zu krönen, wird ein kluger Hund nicht selten richtig verknüpfen und so an Spurfreudigkeit gewinnen. Ergeben sich solche Möglichkeiten nicht, ist auf jeden Fall die Arbeit an der Leine nur dann abzubrechen, wenn man sich selbst über den weiteren Spurverlauf nicht mehr klar ist. Überhaupt sind Spuren, deren Verlauf nur kurz zu verfolgen ist, nicht sinnvoll. Auch sollte man zur Erhaltung der Spurfreude unsinnigen Hetzen während der Suche durch Haltlektionen begegnen. Eine Überfütterung mit Spuren ist dieser abträglich.
Der in der Pfalz stationiert gewesene und mit DD jagende Amerikaner Armbruster hat sich bei der Schaffung des vom Jagdgebrauchshundverband (JGHV) anerkannten und verliehenen Armbruster-Haltabzeichenschon etwas gedacht. Es wird verliehen, wenn der Hund am Hasen gehalten werden konnte und anschliessend noch an diesem Hasen eine mit mindestens „gut“ bewertete Spur arbeitet. Im weiteren Verlauf der Prüfung muss er dann an jedem Hasen gehalten werden können, sofern sich der Hund im entsprechenden Einwirkungsbereich seines Führers befindet.
Vorstehen ist eine separate Anlage aller Vorstehhundrassen und hat mit der Nase des Hundes nur bedingt etwas zu tun. Entscheidend ist dabei, wann der Hund das festliegende Wild oder Spur und Geläuf unterschiedlichen Alters nasenmässig erkennbar wahrgenommen hat. Hier spielen Windrichtung und Bodenverhältnisse resp. Deckung eine nicht unerhebliche Rolle . Es bedarf grosser Erfahrung, um diese Wahrnehmung so deutlich zu erkennen, dass die notwendigen Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können. Deshalb gehört die Beurteilung der Nase auch zu den schwierigsten Aufgaben der Prüfungsrichter überhaupt. Nicht nur die Prüfungsrichter werden mitunter vor die Frage gestellt, wie ist die Nasengüte tatsächlich. Auch sehr feinnasige, im eigenen Gebrauch stehende Hunde geben in der Praxis oft Rätsel auf. Deshalb stehe ich auf dem Standpunkt, dass die Nasengüte nicht im Rahmen eines Durchschnitts aus den im Verlauf eines Prüfungstages gemachten Beobachtungen ermittelt und festgeschrieben werden kann, sondern hier ist die beste Nasenleistung zu bewerten. Die hat nun einmal der Hund und alle anderen, nach „menschlicher“ Wahrnehmung negativen Beobachtungen müssen ausser Betracht bleiben. Die Gründe dafür sind den menschlichen Unzulänglichkeiten zuzuordnen, denn, wird sich immer die Mühe gemacht festzustellen, ob der Wind in Bodennähe der gleiche ist wie in Gesichtshöhe? Dies ist besonders am Wasser festzustellen. Auch der Hase gibt mit seiner Wahrnehmungsfähigkeit an Sasse und Spur Rätsel auf. Verloren zu suchendes Wild in einer Bodenvertiefung oder Fahrrinne liegend wird, ohne dass der Hund nasenmässig reagiert, übersprungen. Die Witterungsverhältnisse, wie starke Sonneneinstrahlung oder überfrorene Nässe und Tagesform können sich auf die Nasenleistungen negativ auswirken. Warum soll der Hund nicht unter den gleichen Unpässlichkeiten, gepaart mit Leistungsabfall zu leiden haben, wie das bei uns Menschen oft der Fall ist. Beides sind Lebewesen, die nicht wie Maschinen auf Knopfdruck reagieren und funktionieren. Ich halte es auch hier für angebracht, diesen Komplex mit einzuflechten damit der in den Anfangen steckende Gebrauchshundführer(in) dahingehende Erfahrungen zu deuten weis. Hunde, deren Vorstehanlagen nur schwach ausgeprägt sind, können über die Reizangel oder die Haltlektion dazu gebracht werden, dass sie bei Wahrnehmung von Wildwitterung Vorstehleistungen zeigen. Gerade mit der Reizangel sind Wunderdinge vollbracht worden. Die Einschaltung einer zweiten Person, die mit der Reizangel agiert, halte ich für sinnvoll. Die Reizangel selbst ist ein an längerem Haselnussstock mit an längerer Schnur befestigtem Stück Federwild oder Kanin, welches in Sichtweite vor dem Hund abgelegt und der Kandidat an langer Leine langsam herangeführt wird. Mit ruhiger Stimme auf den Hund einwirkend , lässt man ihn, die Leine im Zug, langsam herangehen und zu gegebener Zeit anhalten bis er steht. Mit grossem Lob wird die Arbeit nach angemessener Zeit abgebrochen. Regelmässige Wiederholungen festigen diese Aufgabe.
Schussfestigkeitwird dem Wesen des Hundes zugeordnet und hat deshalb züchterisch und für die Praxis eine besondere Bedeutung. Schußscheue ist ein Wesensmangel der dazu führt, dass der Hund von der Prüfung ausgeschlossen wird. Der Züchter muss daraus seine Schlussfolgerungen ziehen und auch für die Praxis ist der Hund untauglich. Um keine Überraschungen bei der Prüfung zu erleben, sofern im praktischen Jagdbetrieb nicht bereits Negativerfahrungen gemacht wurden, sollte früh auf die Reaktion auf schussähnliche Geräusche geachtet werden. Empfindliche Hundelassen sich korrigieren, indem sie angepassten Geräuschkulissen ausgesetzt werden oder eine zweite Person aus dosierten Entfernungen schießt, bis der gewünschte Gewöhnungseffekt eingetreten ist.
Die Herbstzuchtprüfung,bei der davon ausgegangen wird, dass der Prüfling eine gewisse jagdliche Praxis mitbringt und deshalb auch entsprechende Anforderungen stellt, bedarf einer weiteren, gesteigerten Vorbereitung. Es werden Arbeiten auf je einer Haar -und Federwildschleppe , sowie Leistungen im Wasser gefordert. Das sichere Apportieren ist ein Hauptfach, sowohl bei der Prüfung als auch in der Praxis. Wenn hier bei der Einarbeitung geschludert wird und der Hundeführer nicht auf Konsequenz und Folgerichtigkeit ( nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen ) achtet, wird er nie einen sicheren Verlorenbringer erhalten, der aus Erfahrung weiß, dass er das gefundene oder gegriffene Stück Niederwild, auch über Stock und Stein, bringen muss. Ich kann aus eigener Erfahrung ein Lied davon singen, nachdem ich mich auf die anlagebedingte Bringfreude, die mehr Spielfreude war, verlassen hatte und mich einlullen ließ. Dieser Hund hat nicht den Zwangsapport kennen gelernt und bei seinem für mich überraschenden Versagen hatte ich keine Handhabe, ihn zu zwingen, das Stück aufzunehmen. Wichtig ist allerdings, dass dem Hund, bei aller Schwierigkeit bei der Einarbeitung dieses Faches , die Freude am Bringen erhalten werden muss. Lob und Tadel dürfen in keinem Mißverhältnis stehen. Erfolgreich abgeschlossene Arbeiten während der Einarbeitungsphase sollten gestenreich und überschwenglich gelobt werden. Später in der Praxis kann man darauf verzichten. Es reicht dann „so brav“ und ein kurzes Abklopfen im Schulterbereich.
Der Apportiervorgang beginnt damit, dass dem vor oder neben dem Hundeführer sitzenden Hund ein aus einer 4 - 5 cm dicken Stoffrolle bestehender Apportiergegenstand mit der Aufforderung „apport“ in den Fang geschoben wird. Das Öffnen des Fanges wird durch einen Lefzendruck oder kurzem Pieksen in den Behang herbeigeführt. Fangöffnen und Einschieben muss im Gleichklang erfolgen, damit der Hund von Anfang an richtig verknüpft und begreifen lernt, was von ihm gewollt wird. Um das Fallenlassen des Gegenstandes zu verhindern und den Hund dazu zu bringen, dass er diesen hält, wird der Fang mit der Aufforderung „apport, halt fest“ zusammengedrückt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Lefzen nicht mit eingedrückt werden, denn Schmerz darf der Hund bei dieser Übungsphase nicht erleiden. Deshalb auch die Stoffrolle und kein Gegenstand aus Holz.
Das Einschieben des Apports unter Lefzendruck ist so lange konsequent zu üben, bis der Hund den vor den Fang gehaltenen Gegenstand von selbst greift und so lange hält, bis er ihm auf „aus“ abgenommen wird. Folgerichtig sollte dann der Gegenstand dem nach wie vor in Sitzhaltung befindlichen Hund so vorgehalten werden, dass er in verschiedener Weite und Höhe, auch bis in Bodennähe danach greifen muss. Das selbständige Aufnehmen vom Boden wird zunächst unterstützt, indem der Gegenstand dem sich niederbeugenden Hund in den Fang geschoben wird und zwar so oft, bis er ohne Hilfe aufnimmt und festhält. Der Übergang ist dann leichter und der nächste Schritt, das Aufnehmen vom Boden auf Distanz, kann eingeleitet werden. Dies ist zunächst grundsätzlich an der Leine ausführen zu lassen, damit Ausweichmöglichkeiten ausgeschlossen werden. Auf korrekte Ausführung ist zu achten und in einzelnen Stufen Gegenstand und Gewicht bis zur Fuchsschwere zu wechseln und zu steigern. Auch hier gilt ganz besonders der Grundsatz „nicht den zweiten Schritt vor dem ersten“ Dieser geschilderte Apportiervorgang, der geprägt ist von Konsequenz und Kompromisslosigkeit ist Zwangsapportieren, ohne tierschutzrechtliche Grundsätze zu verletzen. Für Uneingeweihte mag der Ausdruck „Zwangsapport“ auf körperliche Misshandlungen schliessen lassen. Dass dem nicht so ist, ist meinen vorstehenden Ausführungen zu entnehmen.
Unter keinen Umständen darf beim Übergang vom Apportieren des bisher genutzten Gegenstandes auf Wild bei einem etwaigen Versagen Zwang angewandt werden. In diesem Falle ist auf den alten Gegenstand zurückzugreifen und zu korrigieren.
Die Schleppe selbst erfordert vom Hund keine besondere Nasenleistung und ist daher ein reines „Drillfach“. Besonders schnelle, dabei sehr leicht den Haken überschiessende und dann orientierungslos in der Botanik herumrennende Hunde, sollten zunächst an die lange Leine genommen werden und so die korrekte Ausarbeitung der Schleppe lernen. Schon beim Anlegen zur Schleppe ist der überpassionierte Hund durch vorheriges Ablegen zur Ruhe zu bringen, wobei der Führer selbst durch beruhigendes Verhalten mit dazu beitragen kann. Mit der langen Leine bestimmt der Hundeführer dann die Gangart bis zum Stück. Ein Übereifer des Hundes wird durch Ablegen minimiert und zwingt zusätzlich zur Ruhe. Erst dann, wenn die ruhige und sichere Arbeit auf der Schleppe erkennbar wird, kann zur freien Arbeit übergegangen werden, die allerdings nicht in „Überfütterung“ ausarten darf. Der Schleppenleger sollte beobachten, wie der Hund das Schleppstück aufnimmt und zuträgt. Sollte das Stück nicht sofort aufgenommen und der Rückweg angetreten werden, bedarf dies zur Verhinderung von Knautschen und evt. Vergraben , der sofortigen Korrektur an der Leine
Die Wasserfreude ist angewölft. Sie zeigt sich allerdings nicht immer auf Anhieb. Grosse Schilfgewässer stehen auch nicht jedermann an jedem Ort zur Verfügung. Man ist dann auf Bäche und Flussläufe unterschiedlicher Grössenordnung angewiesen., die dann der Feststellung und Förderung der Wasserfreude dienen müssen. Auf keinen Fall darf hier unmotivierter Zwang angewandt werden, sondern man fange mit Problemkandidaten zunächst in der Gruppe mit wasserfreudigen Hunden an, die möglicherweise den Zögling mitziehen und das Problem ist damit schon gelöst. Als weitere Möglichkeit unterbreite ich den Vorschlag, das gemeinsame Bad an warmen Tagen auszunutzen. Der Hund ist dabei, sofern er nicht hinterherschwimmt, an die Leine zu nehmen und einen Wasserstand aufzusuchen, bei welchem er schwimmen muss. Seine Selbstbehinderung infolge Wassertretens mit den Vorderläufen kann abgestellt werden, indem er mit der Leine vorn niedergezogen und mit der freien Hand unterm Bauch kurz vor den Hinterläufen gewissermaßen zum Schwimmen gezwungen wird. So lernt er schnell seine Sicherheit in der Vorwärtsbewegung im Wasser erkennen, die dann noch durch die Aufforderung zum Bringen von Gegenständen gefördert wird. Sollte ein Bade - oder Bootssteg vorhanden sein, kann das Herumführen an der Leine ebenfalls zur Sicherheit im Schwimmen beitragen. Ist dies gewährleistet, kann mit dem Bringen aus tiefem Wasser begonnen werden, wobei darauf geachtet werden muss, dass dieser Apportiervorgang korrekt ausgeführt wird. Dazu gehört, dass der Hund sich vor dem Ausgeben nicht schüttelt. Mit dem Aussteigen aus dem Wasser ist bei eigenem Rückwärtsgehen die Aufforderung „hier apport und festhalten“ zu erteilen. Eine etwaige Korrektur kann durch Inanspruchnahme der langen Leine vorgenommen werden.
Da der Hund im weiteren Verlauf der Einarbeitung im Wasser nicht allein seine Schwimmkünste zeigen soll, sondern seine Aufgabe darin sehen muss, dass er auf Aufforderung mit einem bestimmten Handzeichen das Wasser annimmt und entweder über eine freie Fläche oder direkt die Deckung aufsucht um dort nach Wasserwild zu stöbern oder verloren zu suchen. Der Hund soll lernen, dass Wasserwild in der Regel in der Deckung liegt und selten auf der freien Fläche zu finden ist. Deshalb ist ihm dies dadurch schmackhaft zu machen, indem vorher an verschiedenen Stellen des Übungsgewässers geeignete Bringgegenstände ausgelegt werden. Dadurch lernt er schnell, dass die Schilfdeckung der interessantere Teil des Gewässers ist. Wenn dann noch zusätzlich Wasserwild angetroffen wird, dürfte der Übungsvorgang und die Vorbereitung auf Prüfung und Praxis erfolgreich gewesen sein.
Bei der Feststellung der Schussfestigkeit am Wasser, ist auf die Topographie zu achten, denn eine tiefer gelegene geschlossene Wasserfläche erhöht den Schussknall nicht unerheblich. Deshalb sollte bei empfindlicheren Hunden die Schussrichtung entsprechend ausgerichtet werden. Auf keinen Fall über den Kopf des Hundes schiessen. Die Reaktion des Hundes könnte leicht dazu führen, dass die ganze bisherige Arbeit umsonst gewesen ist
Die Verbandsgebrauchprüfung ( VGP ) gilt als Meisterprüfung. Ein Hund, der ein solches Examen bestanden hat, muss bei richtiger Führung und gehöriger Übung auch in der Praxis wirkliche Gebrauchshundarbeit leisten. Diese Grundsätze stellten bereits die Väter der Gebrauchshundbewegung bei der Schaffung der entsprechenden Prüfungsordnung Ende des vorvorigen Jahrhunderts auf und an diesen Grundsätzen hat sich bis heute nichts geändert. Damit ist der Zweck der VGP:
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Die Feststellung der Brauchbarkeit der für den vielseitigen Jagdbetrieb (Feld - Wald - und Wasserarbeit) bestimmten Jagdhunde auf öffentlichen Leistungsprüfungen.
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Der Nachweis solcher Hunde für die Jägerschaft durch das Ergebnis solcher Prüfungen.
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Weckung und Förderung des Verständnisses für die sachgemässe Führung der vielseitigen Gebrauchshunde in weiten Jägerkreisen.
Der auf der VGP leistungsbewertete Hund muss so firm sein, dass ein guter Jäger, der mit der sachgemässen Führung von Jagdhunden vertraut ist und Hunde weiter auszubilden versteht, mit einem solchen Hund waidgerecht jagen kann. Diese Auszüge aus der Präambel der Verbandsgebrauchsprüfungsordnung ( VGPO ) will ich der Leserschaft unterbreiten um nicht nur die Bedeutung der VGP hervorzuheben , sondern auch als Hinweis, die Vorbereitung ihres Hundes mit der notwendigen Sorgfalt zu betreiben.
Ich persönlich interpretiere und verstehe diese Festlegungen so, dass ein Jährling nach bestandener VGP noch weiterer Ausbildung bedarf, um wirklich firm zu sein. Die Zeitspanne zwischen Prüfung einschliesslich der Vorbereitung und dem Ende der ersten Jagdsaison, an welcher der Hund praktisch teilnimmt, ist m.E. zu kurz um das optimal umzusetzen, was übungsmässig erlernt wurde. Theorie und Praxis ist, wie im wirklichen Leben, mitunter ein grosser Unterschied. Jedoch die Prüfungsordnung lässt die Führung von Jährlingen auf VGP zu . Ich bringe meine eigenen Vorstellungen nur deshalb an dieser Stelle, um dem Führer eines eigenen Hundes den Vorteil des praxisbezogenen verlängerten Zeitraumes von einem Jahr zwischen HZP und VGP aus eigener Erfahrung darzulegen. Nicht nur der Hund gewinnt an Sicherheit zur Absolvierung der einzelnen Prüfungsfächer, sondern auch der Führer hat ausreichende Gelegenheit, durch sachgemässe Führung zu dieser Sicherheit beizutragen und so weit gelöster der Prüfung entgegenzusehen.
Die VGP gliedert sich in Waldarbeit, Feldarbeit, Wasserarbeit und Gehorsam. Bei der Waldarbeit dominiert die Riemenarbeit, die sowohl auf der Tagfährte als auch auf der Übernachtfährte gearbeitet werden kann. Ähnlich wie bei der Schleppe, bedarf die Tagfährte mit einer Stehzeit von zwei bis fünf Stunden und einer Länge von 400 Metern mit zwei stumpfen Haken keiner besonderen Nasenleistung des Hundes. Die Fährte, hergestellt aus 1/4Liter Rinderblut oder Wildschweiß wird entweder im Tropfverfahren oder Tupfverfahren ausgeführt. Ich rate auf jeden Fall dazu, Übungsfahrten nicht nur auf die nach PO geforderte Länge zu beschränken, sondern diese mit gleicher Schweißmenge auf 700 bis 800 Meter auszudehnen um dadurch Durchhaltewillen und Konzentration zu fordern. Bekanntlich haben unsere Hund nicht nur ein ausgesprochenes Zeitempfinden sondern aus gemachter Erfahrung auch ein solches für die Länge einer oft geübten Schleppe. Um Überraschungen zu vermeiden, sollte der Hund lernen, eine Schleppe oder Fährte durchzuarbeiten, bis er an das Stück kommt. Die Einarbeitung beider Fährtenarten ist eine Fleißarbeit, wobei besonders darauf zu achten ist, dass der Hund die Fährten freudig und sicher, insbesondere an den Haken ausarbeitend zum Stück findet. Wesentlich ist dabei, dass der Führer in der ersten Phase der Einarbeitung, den Fährtenverlauf genau kennt, und etwaiges Fehlverhalten des Hundes durch entsprechenden Zuruf „zur Fährte“ oder neuem Anlegen, korrigieren kann. Der Hundeführer muss dabei seinen Hund so studieren, dass ihm sein Verhalten zu erkennen gibt, wann er von der Fährte abgekommen ist. Jeder Hund hat einen eigenen Suchenstil und den gilt es zu beachten und die notwendigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Sehr passionierte Hunde sind zu dämpfen, indem die Gangart des Führers eine Tempodrosselung bewirkt. Auch das Ablegen auf der Fährte wird zur Beruhigung beitragen und ist auch eine gute Vorleistung für die Praxis.. Bei letzterer ist eine Unterbrechung der Nachsuche oft deshalb notwendig, weil sich der Riemen im dicken Zeug festzurrt und entzerrt werden muss oder bei eigener Unsicherheit bzgl. des Fährtenverlaufes eine Unterbrechung sinnvoll erscheint. In diesen Fällen muss der Hund in der Lage sein, vom Ablegeplatz aus auf Aufforderung „such weiter verwundt“ die Arbeit ruhig wieder aufzunehmen. Dies ist nur möglich, wenn ein entsprechender Lernprozess vorausgegangen ist.
Totverbellen oder Totverweisen als Zusatz zur Riemenarbeit ist eine Sache für sich und wird einmal separat abgehandelt.
Fuchs — Hasen — bezw. Kaninschleppe dürften keine besondere Schwierigkeiten bereiten, wenn die Einarbeitung des Apportierens nach der hier geschilderten Methode erfolgt ist. Dies trifft auch auf das Hindernis zu, sofern das Überspringen an der Leine mit entsprechender Aufforderung vorher geübt wurde.
Stöbern und Buschieren haben getrennte Bedeutung für den praktischen Jagdbetrieb. Das Stöbern muss in die Tiefe eines Dickungskomplexes gehen um so Wild zu finden und vor die Schützen zu bringen, wogegen das Buschieren unter der Flinte im kupierten Gelände zu erfolgen hat. Der Hund soll in Flintenschussweite quersuchend die Deckung in angepasster Gangart abrevieren und gefundenes Wild vorstehend anzeigen um so den Hundeführer zu Schuss zu bringen. Das heisst also, im ersten Fall dem Hund Freiheit lassen und im anderen Fall eine erkennbare Zusammenarbeit zu demonstrieren. Die erwähnte Freiheit darf jedoch nicht dazu führen, dass sie ausser Kontrolle gerät und der Hund den gegebenen Zeitrahmen für die Rückkehr zum Führer nicht einhält und auch auf Hörzeichen nicht reagiert. Ein Ausscheiden aus der Prüfung erfolgt mit Hunden, die als ungehorsame Hetzer anhaltend selbständig überjagen und erst nach längerer Zeit zurückkehren. Sie genügen nicht den Ansprüchen an einen firmen Gebrauchshund. Jedem Hund wird in diesem Fach ein Zeitlimit von 10 Minuten vorgegeben. Gefestigte Gehorsamslektionen während der gesamten Ausbildung, machen sich in jedem Falle bezahlt.
Die Wasserarbeit ist bereits bei der HZP abgehandelt und wird nur durch das Stöbern im deckungsreichen Gewässer ohne Ente ergänzt. Der Hund hat bereits gelernt, auf Aufforderung mit entsprechendem Hand - oder Armzeichen die offene Wasserfläche zu überqueren und die Deckung anzunehmen um diese nach Wasserwild abzustöbern. Auch das Verlorensuchen und Bringen einer toten Ente, dessen Fallen er nicht eräugt hat, ist bereits Gegenstand meiner Ausführungen gewesen. Einer besonderen Belehrung bedarf es daher nicht mehr.
Die Feldarbeit wurde bei der HZP ebenfalls behandelt. Der Hund ist im Suchen und Bringen von Federwild sowohl auf der Schleppe, als auch aus der Deckung eingearbeitet. Der zwischen HZP und VGP liegende Zeitraum muss zur Festigung der genannten Lektionen entsprechend ausgenutzt werden.
Der Gehorsam hat sich ja wie ein roter Faden durch das gesamte Ausbildungssystem hindurchgezogen und dürfte bei entsprechender Konsequenz bei der VGP keine Probleme mehr mit sich bringen. Leinenführigkeit im Stangenholz, Folgen frei bei Fuß und Ablegen aus der Freifolge, während der Hundeführer weitergeht, gehören nunmehr zum Standart. Um das Liegenbleiben nach Schussabgabe aus der von dem Führer aufgesuchten Deckung, ist sinnvoller Weise zunächst bei Sichtkontakt so lange zu üben, bis der Hund an Aufstehen nicht mehr denkt. Von der Möglichkeit, aus Sicherheitsgründen Rucksack oder Jagdtasche bei dem Hund abzulegen, sollte allerdings Gebrauch gemacht werden. Das Prüfungsfach, „Verhalten auf dem Stand“ sollte nicht zu leicht genommen werden, denn hier sind schon Profis in letzter Minute aus dem Rennen geflogen . Der Hund soll sich bei einer mit Treiberlärm und Schüssen simulierten Treibjagd neben seinem Führer ruhig verhalten, auch wenn dieser selbst einen oder mehrere Schüsse abgibt. Der Hund, der dies frei abgelegt oder sitzend ruhig aushält, wird mit „sehr gut" in diesem Fach bewertet. Angeleint ergibt nur ein „gut“. Also „üben, üben, üben“.
Verbandsprüfung nach dem Schuß ( VPS )
Diese Prüfung wurde geschaffen, um den Besitzern von Nichtvorstehhunden auch die Möglichkeit zu geben, einen gleichwertigen Nachweis der jagdlichen Brauchbarkeit im gehobenen Niveau zu erbringen. Es gelten die gleichen Grundsätze bezw. Forderungen wie bei der VGP nur mit folgenden Abweichungen:
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Die Schweißfährte ist eine Übernachtfährte
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Die Fuchsschleppe und Bringen von Fuchs ist Wahlfach
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Im Feld entfällt die Suche und damit auch das Vorstehen
Aus alledem empfehle ich den mit meinen Ausführungen angesprochenen Jägerinnen und Jägern den Besuch und die regelmassige Teilnahme an den vom Jagdgebrauchshundverein „Nassau“ angebotenen Lehrgängen, sowohl in Theorie als auch in Praxis um damit ihr hiermit erworbenes Wissen zu fördern und zu vertiefen.
Damit beende ich meine Ausführungen mit den besten Wünschen für die erfolgreiche Vorstellung Ihrer Hunde bei Verbandsprüfungen jeglicher Art und ein kräftiges Waidmannsheil auf allen Wegen und Wechseln.
Ernst Zimmermann
Jagdgebrauchshundverein
"Nassau" e.V.