Wie eine Führerin die VPG/VPS 2011 erlebte

Am Samstagmorgen stand ich mit einem fröhlichen, vor Elan auf der Stelle hüpfenden Hund, selber aber blass-grün vor Aufregung, im Wald in der Nähe von Hünfelden-Kirberg.

Ich versuchte mir immer wieder einzureden, dass mein Hund das alles "eigentlich" kann. Aber "eigentlich" ist bei einer Prüfung alles möglich, wie ich bei meiner ersten HZP selber erleben durfte als mein bis dato im Apportieren immer absolut zuverlässig arbeitender Hund das Kaninchen auf der Schleppe nicht zurück brachte.

Bei der Schweißarbeit hatte sie sich in den letzten Wochen auch immer mehr für die Verleitungen interessiert als für die tatsächliche Fährte. So war mein Plan, diese Prüfung als Trainingslauf für eine zweite VGP drei Wochen später zu sehen. Und dann kommt es doch manchmal anders als man denkt.

Fuchs über Hindernis - problemlos. Fuchsschleppe - problemlos.

Danach war die Schweißarbeit an der Reihe. Wir hatten die 4. Fährte gezogen und somit gut 2,5 Stunden Zeit, die Nerven so richtig blank zu legen.

Den Kopf voll wirrer Gedanken setze ich meine Hündin an. Sie bewindete kurz den Anschuß und lief los. Ein wenig fahrig aber immer geradeaus. Nach gefühlten 2000 m und geschätzten 100 m, bögelte sie etwas zu viel. War sie ab? Hatte sie den Winkel überlaufen? Mein vorher zurecht gelegter Plan war, sie nicht zu weit abkommen zu lassen, da sie dann schnell nervös und fahrig wird. Also erst mal "Haaalt" und Hund abgelegt. Zurückgreifen, ja das wollte ich. Aber wohin? Da ich in dem trockenen rostroten Laub, im Sonne-Schatten-Mix keinen Schweiß sehen konnte, hatte ich auch nichts markiert und keinen Plan wo ich meinen Hund erneut ansetzen sollte. Aus lauter Verzweiflung gab ich sie einfach mit den Worten "Such verwund" wieder frei. Sie drehte ein, zwei Runden und zog an. Sie hatte den Abgang gefunden und arbeitete den Winkel sauber aus. Von da ab lief sie wie auf Schienen. Zum ersten mal konnte ich auf einer Schweißfährte das Wundbett ansagen und ab und an Schweiß markieren. So kamen wir zielstrebig, aber nicht überhastet und ohne Abruf zum Stück. Mein Gesicht bekam langsam wieder eine gesunde Farbe und ich wurden etwas entspannter.

Die darauf folgende Kaninchenschleppe meisterten alle Hunde zielstrebig und ohne größere Hindernisse.

Wir wechselten den Wald und es ging weiter mit den noch verbliebenen Waldfächern.

Beim Stöbern fegte Luca einige Male „strahlend“ an mir vorbei, um sofort wieder in der Dickung zu verschwinden. Sie hatte ihren Spaß, ich hatte nichts zu tun und der Richterobmann sah auch ganz entspannt zu.

Etwas ungläubig schaute ich die Richter an als wir im selben Gebiet, nur in entgegengesetzter Richtung zum Stöbergelände, das Buschieren zeigen sollten. Wie soll ich die Hündin nach ihren vorherigen Erlebnissen, jetzt und hier, kurz unter der Flinte halten?! Aber auch hier überraschte sie mich und lief ohne große Einwirkung meinerseits sauber unter Flinte, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Beim Verhalten auf dem Stand lies ich sie an der Leine. Das kostet im Gesamtergebnis zwar zwei Punkte, aber ein "nach vorne Prellen" hätte die gesamte Prüfung kosten können.

Am Wasser war sie in ihrem Element als sie eine lebende Ente ausmachen konnte und drehte den Teich auf links. Dafür machte sie es bei der Verlorensuche noch einmal spannend. Die Ente wurde genau dort ins Schilf geworfen, wo Luca sich wenige Minuten vorher noch mit der lebenden Ente vergnügt hatte! Ich weiß nicht, was sie dort machte, aber das Schilf krachte und wackelte und man sah sie ab und an am Rande wacker arbeiten. Es ging kein erkennbarer Wind, so dass sie vermutlich fast über die Ente stolpern musste, um sie wahrnehmen zu können. Nach 6 Minuten! kam sie endlich mit der toten Ente im Fang aus dem Schilf und trug sie mir brav zu.

Am nächsten Tag ging es ins Feld. Bei einem vor ihr abgehenden Hasen hätte ich mir das Trillern sparen können, da sie von allein Platz machte. Dank des guten Niederwildbesatzes konnten die Hunde in verschiedenem Bewuchs sehr engagierte und dem Gelände angepasste Suchen zeigen. Das Suchenglück bescherte uns eine. in Bezug auf die Prüfung, besonders“kooperative“ Fasanenhenne. In der Zensurentafel liest sich das wie folgt „Die Hündin zeigte mehrfach hervorragende Vorstehleistungen an in den Rüben ablaufendem Federwild und machte dieses mehrfach eindrucksvoll fest.“

Als letztes Fach und als letzter Hund der Prüfung mussten wir die Federwildschleppe arbeiten. Auch wenn es bis dahin sehr glatt lief, so hallte in meine Ohren wie ein Echo „Auf einer Prüfung ist alles möglich!“.

Aber auch hier lief die Kleine wie ein Uhrwerk und als ich die Ente wieder in den Händen hielt, konnte ich mir ein paar Tränen nicht verkneifen - wir hatten tatsächlich bestanden!

Mein ganz besonderer Dank gilt Herrn Hoffmann, der mit Sachverstand und unglaublich viel Erfahrung den Vorbereitungslehrgang betreute. Durch seine ruhige und immer an uns Kursteilnehmer glaubende Art hat er uns so manchen Tiefpunkt in der Vorbereitungsphase überstehen, und wieder Hoffnung schöpfen lassen.

Mehr als 10 Personen waren zwei Tage unterwegs, zogen unermüdlich Schleppen, legten Fährten, transportierten Wild ans Fährtenende, wiesen uns Feldflächen und Waldgebiete zu … nur damit vier Gespanne die Chance hatten, diese Prüfung zu laufen.
Was soll ich sagen, sie alle taten das auch noch mit viel Freude und guter Laune. Sie gaben uns Prüflingen jederzeit das Gefühl mitten drin, statt nur dabei zu sein. Es gab Tipps wie man den Hund besser führen könnte, Lob und Anregungen und wenn es nötig war auch aufmunternde Worte. Wenn man das einmal selber erlebt hat, dann bekommt man sehr viel Respekt vor dem Engagement aller Beteiligten.

Ich habe immer noch ein Strahlen im Gesicht, wenn ich an das Wochenende denke. Abgesehen von der Nervosität und dem leichten Zittern vor jedem einzelnen Fach haben diese zwei Tage enorm viel Spaß gemacht. Dankeschön, dass wir dabei sein durften!

 

Tatjana Blazejewski

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